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Haftgruppe

Die Haftgruppe an der RUB

haftgruppe klein

 

Seit dem Sommersemester 2004 wird an der Ruhr-Universität die Bochumer Haftgruppe betrieben. In der Regel arbeiten etwa 20 Studierende in der Gruppe mit. Jeweils zehn von ihnen besuchen im wöchentlichen Wechsel für zwei Stunden (18:45 bis 20:45 Uhr) eine Gruppe von ca. zehn Insassen der Justizvollzugsanstalt Bochum. Bei den wöchentlich stattfindenden Gruppentreffen in der JVA übernimmt jeweils ein Gruppenmitglied (Studierende oder Gefangene) die Gestaltung des Treffens. In der Regel wird hierfür ein kurzes Referat über ein beliebiges Thema, vorzugsweise aus dem Themenkreis „Recht im Alltag“, vorbereitet, über das anschließend in der Gruppe diskutiert wird. Den Gefangenen wird dadurch die Möglichkeit geboten, angemessenes Diskussionsverhalten in der Gruppe zu trainieren und sich mit von der eigenen Meinung abweichenden Standpunkten auseinander zu setzen. Durch Kontinuität der Teilnahme entstehen darüber hinaus auch Beziehungen zwischen den Gruppenmitgliedern, durch die Empathie und Verantwortungsbewusstsein gefördert werden können.


Den Studierenden soll damit die Möglichkeit gegeben werden, durch den Kontakt mit Strafgefangenen und dem Aufenthalt im Gefängnis Einblicke in die Praxis des Strafrechts und des Strafvollzugs zu erhalten und ihre theoretische Ausbildung zu ergänzen. Den Gefangenen soll die Möglichkeit gegeben werden, Kontakt mit Personen „von draußen“ zu halten, die nicht hauptamtlich im Vollzug arbeiten. Das Projekt versteht sich in diesem Sinne als „sozialer Trainingkurs“.

 

Das Angebot richtet sich primär an Studierende der Rechtswissenschaften, die ihren Studienschwerpunkt auf Kriminologie gelegt bzw. besonderes Interesse am Strafrecht und Strafprozessrecht und insbesondere am einschlägigen Schwerpunktbereich haben. Vor allem für Studierende, die als StrafrichterInnen, StaatsanwaltInnen, VerteidigerInnen oder im Vollzug tätig sein wollen, bietet die Haftgruppe wichtige Praxiserfahrungen bereits während des Studiums. Darüber hinaus ist das Projekt interdisziplinär angelegt und auch für kriminologisch interessierte Studierende der Psychologie, Soziologie, Pädagogik, Theologie, Politikwissenschaft sowie Studierende im Optionalbereich des BA-Studienganges offen. Voraussetzung ist allerdings, dass eine längerfristige Mitarbeit gewährleistet ist (mind. über drei Semester).

 

Die Studierenden lernen im Rahmen der Arbeit der Haftgruppe insbesondere

  • den Resozialisierungsanspruch des Strafvollzugsgesetzes mit der Strafvollzugsrealität zu kontrastieren und den Gründen hierfür nachzugehen,
  • unterschiedliche, disziplinär geprägte Denkweisen der Studierenden zu erkennen und dadurch ihre eigene, fachbezogene Sichtweise zu hinterfragen
  • selbständig das Programm für die Besuche der Haftgruppe in der JVA zu organisieren und Form und Inhalte mit den Gefangenen und der Anstaltsleitung abzustimmen,
  • rechtliche und sozialwissenschaftliche Themen sprachlich und problemorientiert so aufzubereiten, dass sie von den Strafvollzugsinsassen verstanden werden,
  • die Abläufe und organisatorischen Zwänge einer Strafvollzugsanstalt kennen und die daraus erwachsenen Konsequenzen für die Umsetzung von rechtlichen Ansprüchen im Vollzug,
  • die individuell geprägten Sichtweisen der Strafvollzugsinsassen sowie deren bewusste und unbewusste Manipulationsversuche zu erkennen, die Hintergründe dafür zu analysieren und geeignete Handlungsstrategien, die sowohl den Gefangenen, als auch dem Anspruch der Haftgruppe gerecht werden, zu entwickeln.

Die Auseinandersetzung mit diesen Fragestellungen wird auf Arbeitsgruppensitzungen außerhalb des Vollzugs vertieft. Die Teilnahme an der Praxisforschungsveranstaltung wird durch einen besonderen Leistungsnachweis bestätigt. Für Nebenfach- oder Optionalbereichs-Studierende sind ggf. auch qualifizierte Leistungsnachweise (Credit-Points) möglich. Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet. Vor dem ersten Besuch im Vollzug werden die Studierenden auf die Besuche vorbereitet und mit den Regeln für das Verhalten im Vollzug vertraut gemacht.

 

Interessierte können sich per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! wenden.